Der Umstieg von herkömmlichen HPS-Lampen auf LEDs erfordert zwar gewisse Anpassungen und eine veränderte Erwartungshaltung, doch CANNA hat festgestellt, dass ein konsequenter gärtnerischer Ansatz und eine ausgewogene Nährstofflösung alles sind, was es für den erfolgreichen Anbau wirklich braucht.
Vorteile von LEDs
LEDs haben auf dem Gartenbaumarkt einen festen Platz, und das aus gutem Grund: Sie bieten eine hohe Lichtintensität bei gleichzeitig geringerem Energieverbrauch. LEDs bieten sowohl Vollspektrum- als auch Schmalspektrumbeleuchtung. Sie erzeugen weniger Infrarotlicht, das als Wärme wahrgenommen wird, im Vergleich zu traditionellen HID (Hochdruck-Entladungslampen).
LEDs bevorzugen das blaue Spektrum und haben weniger fernrotes Licht, was dazu führt, dass Pflanzen kürzer wachsen, eine dichtere Blütenstapelung und insgesamt eine kompakte Form haben. Das blaue Licht und die UVA-Wellenlängen von LEDs können auch die Blütenqualität steigern. Die Forschung von CANNA zeigte ausserdem, dass die Pflanzen zwar im Durchschnitt etwa 15 % kleiner blieben, ihre Ernteerträge jedoch bei höherer Lichtintensität unter LEDs um 15 % bis 50 % höher lagen als unter HPS-Lampen.
Trotz dieser Unterschiede in Ertrag und Qualität war die Nährstoffaufnahme statistisch gesehen nicht unterschiedlich, was die Annahme unterstützt, dass eine gut ausgewogene Düngermischung für Pflanzen, die unter LED angebaut werden, ausreicht und keine spezielle Nährstoffformulierung erforderlich ist, abgesehen von der substratspezifischen Zusammensetzung.
Lichtspektren der installierten HPS (links) und LED (rechts) Beleuchtung
Wärmeanpassungen
Züchter müssen die geringere Wärmeabstrahlung von LEDs berücksichtigen und, falls nötig, zusätzliche Wärme bereitstellen, um die Wachstumsumgebung auf etwa 24°C zu bringen. Alternativ könnten die Bewässerungsregime angepasst werden, um die kühleren Temperaturen auszugleichen. Bei niedrigeren Temperaturen transpiriert die Pflanze weniger und nimmt daher weniger Nährlösung auf. Eine höhere Nährstoffkonzentration (EC) kann in diesem Fall helfen, bei jedem “Schluck” mehr “Nahrung” bereitzustellen und so eine ausreichende Versorgung sicherzustellen. Zeigen die Pflanzen Anzeichen von Schwäche oder Mangel, kann die EC-Wert-Erhöhung eine sinnvolle Maßnahme sein.
Als eine weitere Methode haben einige Grower auf LED-spezifische oder calciumreiche Dünger zurückgegriffen, wenn sie unter LEDs anbauen. Der Gedanke dahinter: Da Calcium ein relativ unbeweglicher Nährstoff ist und die Pflanze bei geringerer Transpiration insgesamt weniger Nährstoffe transportiert, müsse mehr Calcium zugeführt werden, um eine ausreichende Versorgung sicherzustellen. Wenn jedoch die Calciumkonzentration in einer Nährlösung zu hoch wird, kann es mit der Aufnahme anderer Nährstoffe konkurrieren und zu einem Mangel an diesen führen. Aus diesem Grund besteht eine robustere Lösung darin, einfach die Menge eines ausgewogenen Basisdüngers, wie ihn CANNA anbietet, zu erhöhen und nicht noch eine weitere Flasche zu kaufen, die „LED-spezifisch“ ist.
Lichtintensität
Die hohe Lichtintensität von LEDs bietet die Möglichkeit, den Stoffwechsel und die Gesamtleistung der Pflanzen zu steigern. Jede Pflanze hat einen Lichtsättigungspunkt, der ihren Schwellenwert bestimmt, ab dem eine höhere Lichtintensität kein besseres Ergebnis mehr bringt. Der Lichtsättigungspunkt einer Pflanze hängt von ihrem Entwicklungsstadium, ihrer Art und den Anbautechninken ab. Wird jedoch zusätzlich Kohlendioxid (CO₂) zugeführt, erhöht sich der Lichtbedarf der Pflanze bis zum Erreichen ihres Lichtsättigungspunkts – und damit auch die Photosyntheserate.
Abbildung 2. Beziehung zwischen Blatttemperatur und Netto-Photosyntheserate unter normalen und CO₂-erhöhten Bedingungen in Populas grandidentata (Jurik et al., 1984).
Wird zusätzlich zum CO₂ auch die Anbau-Temperatur erhöht, steigert das die Photosyntheserate der Pflanzen weiter. Das Zusammenspiel von CO₂, Lichtintensität und Temperatur fördert gemeinsam einen schnelleren Stoffwechsel und ein stärkeres Pflanzenwachstum. Und natürlich erfordert diese gesteigerte Produktion eine größere Nährstoffversorgung. Daher wäre in diesem Szenario von LEDs + zusätzlichem CO₂ + höheren Temperaturen eine leichte erhöhte Dosierung des Basisdüngers erneut sinnvoll.
Halte es einfach, du hast bereits alles, was du brauchst
Egal, ob du unter HID-Lampen oder LEDs anbaust, halte dich an die grundlegenden Richtlinien, um die ideale Temperatur und Luftfeuchtigkeit je nach Entwicklungsphase der Pflanzen zu erreichen, beobachte die Pflanzen genau und passe die Nährstoffgabe basierend auf deinen Bedingungen und Beobachtungen an. Ein ausgewogener Dünger bleibt die ideale Wahl für die Pflanze, wenn sie unter LEDs wächst, genauso wie bei HPS-Beleuchtung. Das bedeutet: eine Flasche weniger im Regal und einen Aspekt weniger, über den du dir Gedanken machen musst. Halte es einfach, bleibe bei hochwertigen, ausgewogenen Produkten und geniesse deinen Anbau!
Von der Stecklingsphase bis zur Hochleistungsblüte – wir vergleichen alle LED-Marken aus unserem Sortiment nach Effizienz, Preis, Einsatzbereich und Bauqualität.
Aktualisiert: Juni 2026 Holos Growshop, Wollerau 10 Marken · 129 Modelle im Sortiment
Bei Holos führen wir ausschliesslich LED-Leuchten von sorgfältig geprüften Herstellern. Jede Marke wird von uns getestet und muss sich bei Kunden im echten Betrieb bewähren, bevor wir sie ins Sortiment aufnehmen. Dieser Vergleich basiert auf unserem Erfahrungsschatz aus dem Fachhandel in der Schweiz.
01Warum LED statt HPS?
Moderne LED-Lampen erreichen heute Effizienzen von 2.7 bis 3.0 µmol/J – deutlich mehr als klassische HPS-Leuchtmittel (ca. 1.7–2.0 µmol/J). Das bedeutet mehr Licht pro Kilowattstunde, weniger Wärme und eine Lebensdauer von 50’000–100’000 Stunden. Die Umrüstkosten amortisieren sich in der Regel innerhalb von 12–18 Monaten – besonders relevant in der Schweiz mit hohen Stromtarifen.
02Die LED-Marken im Vergleich
Sanlight
🇦🇹 Österreich · Gegründet 2013
Profi-Wahl
Leistung: 40–465 W Effizienz: bis 2.9 µmol/J Dimmbar: Ja Modelle: 44
Sanlight ist die österreichische Profi-Marke mit dem grössten Sortiment bei Holos. Die EVO-Serie gehört zu den meistverkauften Grow-LEDs in Europa. Modular aufgebaut, IP65, 5 Jahre Garantie.
Leistung: 680–1000 W Effizienz: bis 2.9 µmol/J Dimmbar: Ja Modelle: 3
Gavita ist der Industriestandard im kommerziellen Gewächshausbau. Pro 1700e und Pro 2100e für grosse Flächen ab 4 m². Weltweit in professionellen Gärtnereien im Einsatz.
Leistung: 300–1000 W Effizienz: bis 3.0 µmol/J Dimmbar: DALI Modelle: 8
Lumatek gehört zur Spitzenklasse der Indoor-Grow-LEDs. Die Zeus Pro-Serie erreicht 3.0 µmol/J – derzeit einer der besten Werte auf dem Markt. Präzise steuerbar über DALI-Protokoll.
Leistung: 200–1000 W Effizienz: bis 2.7 µmol/J Dimmbar: Ja Modelle: 10
Ausgezeichnete Vollspektrum-LEDs aus Deutschland zu fairem Preis. Breites Spektrum von 380–780 nm, CE-zertifiziert. Sehr gute Wahl für die Umrüstung von HPS auf LED.
Leistung: 100–250 W Effizienz: 2.5–2.7 µmol/J Dimmbar: Teilweise Modelle: 6
Zwei Linien: LT (einfach, robust) und NEMESIS (erweiterte Spektren). Die 250W NEMESIS eignet sich für 80×80 cm bis 1 m² Zelt. Mittlerweile fest etabliert im Einsteiger- und Hobbybereich.
Leistung: 20–72 W Betrieb: 24 Volt DC Länge: 45–145 cm Modelle: 15
LED-Leistenlösung von Secret Jardin. Drei Varianten: GROW (6500K), FULL SPECTRUM und INFRARED (730nm). Sehr geringe Wärmeentwicklung, ideal für Growboxen und Stecklinge.
Sansi setzt auf patentierte COC-Technologie (Chip on Ceramic): langlebig, hitzebeständig, CE-zertifiziert. Die 36W-Glühbirne ist ein Bestseller – ideal für Zimmerpflanzen und Anzucht. Besonders bewährt hat sich Sansi beim Überwintern von Kübelpflanzen wie Zitruspflanzen, Oleander oder Olivenbäumen: Das warme, COC-basierte Spektrum unterstützt die Pflanzen über die dunkle Jahreszeit, ohne sie zu überhitzen.
Leistung: 465–1000 W Effizienz: bis 2.9 µmol/J Design: Faltbar Modelle: 6
Grossflächige Hochleistungsleuchten mit faltbarem Design. Die 1000W Eco Line erreicht 2.9 µmol/J für Flächen bis 4 m². Eher für erfahrene Grower mit grösseren Anbauflächen.
Die „beste“ LED-Lampe gibt es nicht. Die richtige Wahl hängt von deiner Anbaufläche, deinem Budget und deiner Erfahrung ab.
Zimmerpflanzen, Anzucht & Überwinterung
Sansi Grow
E27-Fassung, einfach, günstig. Top für Zitruspflanzen & Co. im Winter. Ab 15 CHF.
Stecklinge & Vorzucht
Cosmorrow
24V Leiste, wenig Wärme, spezialisierte Spektren. Ab 33 CHF.
Kleines Growbox (60×60 cm)
Sanlight EVO 3
100W, Vollspektrum, Austrian quality. Ca. 230 CHF.
Mittleres Setup (80×80 – 1 m²)
Greenception GC3 / Jackson 250W
Bestes Preis-Leistungs-Verhältnis. Ab 149 CHF.
Grosses Grow-Zelt (1.2×1.2 m)
Sanlight EVO 5 / Lumatek Zeus
Profi-Qualität, maximale Effizienz. Ab 400 CHF.
Kommerziell (4 m²+)
Gavita Pro / Lumatek ATTIS
Industriestandard, controllierbar. Ab 900 CHF.
05Häufige Fragen zu LED Grow Lampen
Wie viel Watt LED brauche ich pro Quadratmeter?
Als Faustregel gelten bei modernen LEDs (ab 2.5 µmol/J) ca. 200–300 Watt pro m² für Blüte. Bei sehr effizienten Modellen wie Lumatek (3.0 µmol/J) reichen auch 200 W/m² für sehr gute Ergebnisse. Für Wachstum und Vorzucht genügen 100–150 W/m².
Was bedeutet µmol/J (Efficacy)?
µmol/J gibt an, wie viele Lichtpartikel (Photonen) eine Lampe pro verbrauchter Energieeinheit erzeugt. Je höher der Wert, desto effizienter. HPS: ca. 1.7–2.0 µmol/J. Moderne LEDs: 2.5–3.0 µmol/J – das bedeutet bis zu 50 % weniger Stromverbrauch bei gleicher Lichtmenge.
Lohnt sich die Umrüstung von HPS auf LED?
In der Schweiz mit einem Strompreis von ca. 25–30 Rp./kWh amortisiert sich die Umrüstung bei einem 600W HPS-Setup in der Regel innerhalb von 12–18 Monaten. Dazu kommt weniger Klimatisierungsaufwand durch geringere Abwärme.
Warum führt Holos auch Sansi, obwohl es eine chinesische Marke ist?
Sansi ist zwar in China produziert, unterscheidet sich aber klar von No-Name-Importen: Die patentierte COC-Technologie ist eigenentwickelt, die Produkte sind CE-zertifiziert und die Garantieabwicklung ist real. Besonders im Bereich Überwinterung von Kübelpflanzen hat sich Sansi bei unseren Kunden bewährt. Für professionelle Anbau-Setups empfehlen wir weiterhin europäische Hersteller.
Welche LED eignet sich für feuchte Umgebungen / Gewächshaus?
Für feuchte Umgebungen empfehlen wir Lampen mit IP65-Schutzklasse. Sanlight EVO-Modelle sind standardmässig IP65-zertifiziert. Gavita und Lumatek bieten ebenfalls entsprechende Schutzklassen für kommerzielle Gewächshäuser.
Nicht sicher, welche Lampe zu dir passt?
Komm in unsere Filiale in Wollerau oder ruf uns an – wir beraten dich gerne persönlich. Unser Team hat jahrelange Erfahrung im Indoor-Anbau und kennt jede Lampe aus dem eigenen Betrieb.
Eine Studie im Fahrsimulator hat ergeben: Das höchste Unfallrisiko besteht nicht unmittelbar nach dem Konsum, sondern vier Stunden später. Konsumierende hatten fälschlich den Eindruck, wieder fit zu sein. Viele hatten immer noch den Grenzwert für THC im Straßenverkehr überschritten.
Bild: dolgachov / iStock.com
30 Minuten lang geradeaus fahren, nicht von der Fahrbahn abkommen und vor allem: Nicht mit anderen Autos zusammenstoßen. Das war die scheinbar simple Aufgabe der Teilnehmenden einer Studie im Fahrsimulator. Bei einer Geschwindigkeit von bis zu 100 km/h und unerwartet auftretendem Seitenwind war das aber offenbar gar nicht so einfach. Zahlreiche Unfälle registrierten die Forschenden. Die Höhe der konsumierten Dosis Cannabis hatte dabei eine Rolle gespielt.
Studienleiter Jean Claude Alvarez und sein Team wollten herausfinden, wie sich unterschiedliche Dosierungen des Cannabiswirkstoffs THC auf das Fahrverhalten auswirken und ob es einen Unterschied macht, ob die Person gelegentlich oder täglich kifft.
30 Personen im Alter zwischen 18 und 30 Jahren nahmen an der Studie teil. Alle Teilnehmenden machten drei Durchläufe, in denen sie jeweils einen Joint rauchten. Der Joint enthielt neben Tabak entweder eine hohe oder eine niedrige Dosis oder gar kein THC. Wann sie welche Joint-Variante bekamen, wussten die Teilnehmenden nicht. Etwa im Stundentakt wurde ihnen zudem Blut abgenommen.
Dabei zeigte sich ein deutlicher Effekt der THC-Dosis. Dieser trat allerdings zeitversetzt auf. So erreichte die THC-Konzentration im Blut zwar schon nach etwa 15 Minuten ihren Höhepunkt. Das Risiko für einen Unfall war aber nicht direkt nach dem Konsum am höchsten, sondern erst vier Stunden später. Zu dem Zeitpunkt verdoppelte sich die Unfallrate, obwohl der THC-Wert im Blut schon stark gesunken war. Auffällig war, dass viele Teilnehmende den Eindruck hatten, wieder fahrtüchtig zu sein. Dabei spielte es keine Rolle, ob die Person typischerweise täglich oder nur gelegentlich kiffte.
Viele Cannabiskonsumierende auch nach 4 Stunden über offiziellem Grenzwert
Die Konsumerfahrung war aber sehr wohl von Bedeutung, wenn es um gesetzliche Grenzwerte geht. Die Forschenden haben überprüft, wie viele der Teilnehmenden den Grenzwert für Cannabis im Straßenverkehr überschritten. In Deutschland beträgt der Grenzwert 3,5 Nanogramm THC pro Milliliter Blut.
Von den täglich Kiffenden der Studie überschritten vier Stunden nach dem Konsum noch 80 Prozent den offiziellen Grenzwert, wenn die THC-Dosis im Joint hoch war. Von den gelegentlich Konsumierenden traf dies nur auf 14 Prozent zu. Bei einer niedrigen THC-Dosis hatten 33 Prozent der Vielkonsumierenden den Grenzwert noch gerissen, aber nur 7 Prozent der gelegentlich Konsumierenden.
Cardozo, B., Hartley, S., Simon, N. & Alvarez, J. C. (2025). Understanding cannabis use and car crashes: Insights from a randomized trial using a driving simulator on THC blood levels and subjective measures of sleepiness and performance. Journal of Safety Research, 95, 109-116, doi.org/10.1016/j.jsr.2025.09.005.
Die Schweizer Cannabis-Regulierung steckt in einer sensiblen Phase. Die Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit des Nationalrates (SGK-N) hat den Entwurf zur parlamentarischen Initiative Siegenthaler (20.473) am 7. Mai 2026 zur Überarbeitung an die Subkommission zurückgewiesen. Die IG Hanf Schweiz, der Branchenverband der Schweizer Cannabisindustrie, trägt den Schritt mit, mahnt aber zur Eile. Jeder Monat ohne Regulierung stärke den Schwarzmarkt, ohne dass Konsumentinnen und Konsumenten von Qualitätskontrolle, Jugendschutz oder staatlicher Aufsicht profitierten.
Die SGK-N hat in ihrer Sitzung am 7. Mai die Vernehmlassungsergebnisse zum Bundesgesetz über Cannabisprodukte (CPG) beraten. Aufgrund zahlreicher Änderungsvorschläge geht das Dossier zurück in die Subkommission. Aus Sicht der IG Hanf ist das nachvollziehbar, soll aber nicht in eine Hängepartie münden. Die parlamentarische Initiative 20.473 von Heinz Siegenthaler hatte 2020 den Anstoß für eine evidenzbasierte Regulierung gegeben und legt heute mit den laufenden Pilotversuchen die empirische Grundlage für ein praxistaugliches Gesetz.
Die Botschaft des Verbands ist klar: Anpassungen am Entwurf sind sinnvoll, damit die Vorlage mehrheitsfähig und vollzugstauglich wird. Solange aber eine gesetzliche Grundlage fehlt, bleiben Konsumentinnen und Konsumenten ohne Qualitätskontrolle, ohne wirksamen Jugendschutz und ausserhalb jeder staatlichen Aufsicht. Profiteur dieser Regulierungslücke ist allein der illegale Markt.
Pilotversuche brauchen eine Anschlusslösung
Ein zweiter zentraler Punkt der Stellungnahme betrifft die seit 2023 laufenden Pilotversuche in mehreren Schweizer Städten. Diese liefern empirische Daten zu Konsumverhalten, Jugendschutz, Schwarzmarktverdrängung und gesundheitlichen Auswirkungen kontrollierter Abgabe. Brechen sie ohne geordneten Übergang weg, gehen wertvolle Erkenntnisse, funktionierende Strukturen und getätigte Investitionen verloren, ein Rückschritt für Konsumentenschutz, Forschung und Vollzug zugleich.
Die IG Hanf fordert deshalb eine verbindliche Anschlusslösung, die nahtlos an die heutigen Versuche anknüpft. Ohne diese Brücke drohe nicht nur ein Daten-Gap, sondern auch ein Vertrauensverlust bei den Akteuren in Wissenschaft, Gesundheitswesen und Wirtschaft, die sich auf das Pilotmodell eingelassen haben.
Klarer Auftrag an die Subkommission
Aus Sicht der IG Hanf liegt mit der parlamentarischen Initiative 20.473 ein evidenzbasierter Vorschlag vor, der Jugendschutz und öffentliche Gesundheit ins Zentrum stellt und den Schwarzmarkt zurückdrängen soll. Vom Subkommissions-Prozess erwartet der Verband drei konkrete Eckpunkte: zügige Beratungen mit klarem Zeitplan, eine konstruktive Einbindung der Kantone in den Vollzug und eben jene verbindliche Anschlusslösung für die Pilotversuche. Ebenso wichtig sei das Festhalten an den Kernzielen Jugendschutz, Gesundheitsschutz und Schwarzmarktbekämpfung.
«Die Rückweisung ist kein Neustart, sondern ein Auftrag zur Nachbesserung. Entscheidend ist jetzt, dass die Regulierung mehrheitsfähig, vollziehbar und wirksam gegen den Schwarzmarkt ausgestaltet wird. Dafür braucht es einen klaren Zeitplan und eine verbindliche Anschlusslösung für die Pilotversuche.»Renato Auer, Vorstandsmitglied und Medienverantwortlicher der IG Hanf Schweiz
Was eine wirksame Regulierung leisten muss
Eine Regulierung wirkt aus Sicht des Verbands nur dann, wenn sie im Vollzug praktikabel ist, die Konsumentinnen und Konsumenten tatsächlich erreicht und dem illegalen Markt ein glaubwürdiges legales Angebot entgegensetzt. Der Schwarzmarkt liefert heute weder kontrollierte Wirkstoffgehalte noch Reinheitsnachweise, noch wirkt er Alterskontrollen entgegen. Genau diese Lücke soll das CPG schließen.
Mit der Rückweisung an die Subkommission verschiebt sich der politische Zeitplan, ohne dass eine inhaltliche Kehrtwende vorliegt. Die kommenden Wochen und Monate werden zeigen, ob die Subkommission die signalisierten Nachbesserungen zügig umsetzen kann oder ob sich der Prozess in eine längere Pause verlagert. Für die Schweizer Cannabisbranche und die Pilotteilnehmenden geht es dabei um nicht weniger als die Anschlussfähigkeit ihrer Arbeit der vergangenen Jahre.
💬 Im Gespräch
Renato Auer, IG Hanf Schweiz
Wir haben mit Renato Auer, Vorstandsmitglied der IG Hanf Schweiz, über die Rückweisung des CanPG, den weiteren parlamentarischen Fahrplan und die wirtschaftliche Dimension einer regulierten Cannabis-Branche gesprochen. Sieben Fragen, sieben pointierte Antworten.
Frage 1, Nachbesserungen
Der Bundesrat sieht die Rückweisung als Auftrag, das CanPG zu überarbeiten, nicht als Neustart. Welche konkreten Nachbesserungen erwartet die IG Hanf jetzt?
Renato: Wir teilen die Einschätzung des Bundesrats, dass die Rückweisung ein Auftrag zur Überarbeitung ist – kein Neuanfang. Der Gesetzesentwurf bietet eine solide Basis, muss aber in zentralen Punkten praxistauglicher und wirtschaftsfreundlicher werden. Konkret erwarten wir, dass die nicht-medizinische Verwendung von Cannabis vollständig im CanPG geregelt wird und nicht im BetmG verbleibt. Nur so entsteht echte Klarheit und Rechtssicherheit für Konsumentinnen und Konsumenten, Behörden und Unternehmen. Zweitens braucht es eine geografisch breit zugängliche Versorgung über klar regulierte Fachgeschäfte – inklusive Online-Vertrieb mit verlässlicher Altersprüfung, wie ihn Kanada erfolgreich umsetzt. Drittens muss die Werbe- und Sponsoringregelung verhältnismässig ausgestaltet werden. Ein vollständiges Verbot, wie es derzeit vorgesehen ist, würde sowohl Aufklärung als auch Markttransparenz behindern und kleine und mittlere Unternehmen unnötig belasten. Schliesslich braucht es eine ausgewogene Steuerpolitik, die den Schwarzmarkt zurückdrängt, statt ihn durch zu hohe Abgaben zu stützen.
💬 Hanf-Buddy — dein Cannabis-Experte
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Frage 2, Zeitplan
Realistisch betrachtet: Wann rechnen Sie mit einem überarbeiteten Entwurf und wann mit einem Inkrafttreten?
Renato: Wir gehen davon aus, dass eine überarbeitete Vorlage frühestens Ende 2026 vorliegt. Anschliessend braucht es die Beratung in beiden Räten, die Differenzbereinigung und – sehr wahrscheinlich – eine Referendumsabstimmung. Bei optimalem Zeitplan wird eine Regulierung kaum vor 2029 in Kraft treten. Wir setzen uns für eine zügige, aber sorgfältige Bearbeitung ein.
„Bei optimalem Zeitplan wird eine Regulierung kaum vor 2029 in Kraft treten.“
Renato Auer · IG Hanf Schweiz
Frage 3, Anschlusslösung
Die Pilotversuche laufen 2027/2028 aus. Wenn die Regulierung erst 2030+ greift, droht eine Regulierungslücke. Was schlägt die IG Hanf für diese Übergangsphase vor?
Renato: Es braucht zwingend eine Anschlusslösung, sobald die ersten Pilotversuche enden. Wir sehen zwei mögliche Wege: Eine Verlängerung des Experimentierartikels (BetmG Art. 8a) oder die Schaffung eines befristeten Übergangsregimes, das den Übergang in die Vollregulierung erleichtert. Die Studien zeigen klar: Pilotversuche sind kein Endzustand, sondern ein Brückenmodell. Wer sie ohne Anschluss auslaufen lässt, treibt Konsumentinnen und Konsumenten wieder in den Schwarzmarkt – und vernichtet wertvolles Know-how. Unser Vorschlag ist, gemeinsam mit Bund, Kantonen, Forschung und Branche ein kohärentes Übergangsmodell zu entwickeln, das auf den Erkenntnissen der Pilotprojekte aufbaut.
Frage 4, Wirtschaftliche Dimension
In der politischen Debatte wird vor allem über Jugendschutz und Prävention gesprochen. Wo bleibt die wirtschaftliche Dimension? Welches Potenzial sieht die IG Hanf?
Renato: Die wirtschaftliche Bedeutung wird massiv unterschätzt. Das gesamte Cannabissystem in der Schweiz hat heute ein Marktvolumen von geschätzt einer Milliarde Franken pro Jahr. Das Geld fliesst aktuell fast vollständig in den Schwarzmarkt und damit in die Hände krimineller Netzwerke. In einem regulierten Markt sind bis zu 450 Millionen Franken jährlich an Steuer- und Sozialeinnahmen denkbar. Hinzu kommen mehrere tausend neue Arbeitsplätze in Anbau, Verarbeitung, Logistik, Detailhandel, Kontrolle, Forschung und Tourismus. Gleichzeitig entlasten wir Polizei, Justiz und das Gesundheitswesen spürbar. Die Schweiz hat zudem die Chance, einen exportstarken, qualitativ hochwertigen Standort aufzubauen, analog zur Pharmaindustrie. Eine kluge Regulierung schafft Werte, Innovation und Sicherheit. Sie verhindert nicht, sie ermöglicht.
Frage 5, Schwarzmarkt
Der Schwarzmarkt boomt, jüngste Razzien in Bern, Solothurn und Spreitenbach zeigen die industrielle Dimension. Wie argumentieren Sie gegenüber Politikerinnen und Politikern, die immer noch auf das BetmG setzen?
Renato: Der Schwarzmarkt ist die direkte Folge einer gescheiterten Verbotspolitik. Die Razzien in Bern (über eine Tonne Cannabis), Solothurn (19 Indoor-Anlagen) und Spreitenbach (eine Tonne Cannabis und Waffen) zeigen, dass kriminelle Strukturen den Markt längst übernommen haben. Die jüngste Sucht-Schweiz-Studie aus der Waadt (siehe auch die Zusammenfassung) belegt: Der illegale Markt liefert hochpotentes, oft gestrecktes Cannabis – ohne jede Qualitätskontrolle, ohne Jugendschutz, ohne Steuereinnahmen. Und Genf weist mittlerweile den höchsten Cannabis-Konsum Europas auf. Das BetmG hat in 50 Jahren weder den Konsum gesenkt noch die Verfügbarkeit reduziert – im Gegenteil. Heute konsumieren über 220.000 Menschen in der Schweiz regelmässig Cannabis. Wer den Status quo verteidigt, verteidigt faktisch den Schwarzmarkt. Jeder Monat, in dem das Parlament zögert, ist ein Monat, in dem dieser Markt von kriminellen Strukturen statt von kontrollierten Fachgeschäften bedient wird. Wir appellieren an die SGK-N (Sozial- und Gesundheitskommission Nationalrat), die Erkenntnisse aus den Pilotversuchen, der internationalen Forschung und der wirtschaftlichen Analyse ernst zu nehmen – und endlich Verantwortung zu übernehmen.
„Jeder Monat, in dem das Parlament zögert, ist ein Monat, in dem dieser Markt von kriminellen Strukturen statt von kontrollierten Fachgeschäften bedient wird.“
Renato Auer · IG Hanf Schweiz
Frage 6, Internationale Beispiele
Welche internationalen Beispiele halten Sie für die Schweiz für besonders relevant, und welche eher als Negativbeispiel?
Renato: Als positives Modell sehen wir klar Kanada. Dort funktionieren Qualitätskontrolle, Jugendschutz, Steuerlogik und Marktöffnung im Gleichgewicht. In der Schweizer Diskussion wird oft das kanadische Modell Quebec als Referenz aufgerufen, mit einem staatlichen Verkaufsmonopol über die Société québécoise du cannabis. Die IG Hanf positioniert sich allerdings klar für ein wirtschaftsliberaleres Modell, das den Gesundheitsschutz dennoch konsequent ins Zentrum stellt. Staatliche Verkaufsmonopole binden enorme Verwaltungsressourcen, beschränken Produktvielfalt und Innovation und haben in der Praxis gezeigt, dass sie den Schwarzmarkt nicht so wirksam zurückdrängen wie ein lizenziertes Fachgeschäftsmodell. Orientierender für die Schweiz sind aus unserer Sicht die kanadischen Provinzen mit privatwirtschaftlicher Abgabe unter Lizenz, in denen sich ein dichtes Fachgeschäftsnetz unter strenger Aufsicht etabliert hat. Auch die deutschen Cannabis Social Clubs liefern brauchbare Bausteine, insbesondere für den nichtkommerziellen Eigenanbau. Uruguay zeigt umgekehrt, was passiert, wenn der staatliche Vertrieb über Apotheken zu eng und zu langsam ausgerollt wird: Der Schwarzmarkt bleibt dominant.
Frage 7, Kantone
Welche Rolle sollten die Kantone in der künftigen Regulierung spielen, auch mit Blick auf den Vollzug, den Jugendschutz und die Steuerverteilung?
Renato: Die Kantone werden zu zentralen Trägern der Umsetzung. Sie sind verantwortlich für Vollzug, Bewilligungen, Aufsicht und Prävention. Damit der Föderalismus funktioniert, brauchen sie aber klare Bundesvorgaben – etwa bei Lizenzkriterien, Werberegeln und Qualitätsstandards. Die Steuerverteilung muss gerecht und zweckgebunden erfolgen: Ein Teil der Einnahmen sollte direkt den Kantonen und Gemeinden zugutekommen, die mit dem Vollzug und der Präventionsarbeit befasst sind. Auch der Jugendschutz lebt vor Ort – durch Schulen, Suchthilfen, Polizei und Kantonsärztedienste. Wir sehen die Kantone deshalb als gleichwertige Partner in der politischen Gestaltung. Nur wenn Bund und Kantone Hand in Hand arbeiten, entsteht eine Regulierung, die wirklich funktioniert.
Autoflowering-Cannabispflanzen gibt es seit über einem Jahrzehnt. Obwohl viele Grower sie lieben, ist es nicht immer einfach, perfekte Pflanzen und hohe Erträge zu erzielen. Autos sind eine ausgezeichnete Option für alle, die nach schnell blühenden, pflegeleichten und kompakten Pflanzen suchen.
Kurz gesagt:Autos beginnen automatisch zu blühen, ohne dass der Lichtzyklus umgestellt werden muss.
Autoflowering vs. photoperiodisch
Wenn du dir das Sortiment einer Samenbank ansiehst, wirst du feststellen, dass es für viele Sorten sowohl photoperiodische als auch autoflowering Versionen gibt. Der wichtigste Unterschied liegt darin, wie die Pflanzen in die Blüte gehen.
Photoperioden
✓ Können lange in der Wachstumsphase gehalten werden
✓ Benötigen indoor 12/12 Stunden Licht zur Blüteeinleitung
✓ Können indoor 150 bis 180 cm groß werden
Autoflowering-Pflanzen
✓ Beginnen nach etwa 4 Wochen automatisch zu blühen
✓ Blühen unter 12, 18 oder 20 Stunden Licht pro Tag
✓ Bleiben meist kurz und kompakt
✓ Bestehen aus Ruderalis und photoperiodischer Genetik
Die Geschichte der Automatik-Pflanzen
Ruderalis wurde 1924 in Südsibirien vom russischen Botaniker Janischewski im Wolga-Flusssystem entdeckt. Obwohl das Klima dort extrem hart ist, konnte die Ruderalis-Pflanze überleben, sich anpassen und kleine, widerstandsfähige Pflanzen entwickeln, die in kurzer Zeit Blüten produzieren.
Seitdem findet man Ruderalis auch in Mittel- und Osteuropa, den USA und Kanada. Zwar waren Ertrag, Geschmack und Potenz der ursprünglichen Landrassen eher gering, doch Züchtern gelang es schnell, Ruderalis-Pflanzen mit stabilen photoperiodischen Sorten zu kreuzen.
Warum heißt es Autoflowering?
Das Ruderalis-Gen sorgt dafür, dass diese Hybriden nach etwa 30 Tagen automatisch mit der Blütephase beginnen.
Vorteile im Indoor-Anbau
✓ Ideal für kleine Growspaces
✓ Pflegeleicht und gut für Anfänger geeignet
✓ Hochwertige Blüten mit vielen Terpenen und guter Potenz
✓ Gut geeignet für Sea-of-Green-Setups
✓ Ernte alle 4 Wochen möglich
✓ Schnelle Durchlaufzeit von 11 bis 13 Wochen von Samen bis Ernte
✓ Robust, stabil und widerstandsfähig
Vorteile im Outdoor-Anbau
Automatik-Pflanzen sind vielseitig und werden mittlerweile weltweit in vielen Klimazonen geschätzt. Besonders beliebt sind sie in sonnigen Ländern wie Spanien, Brasilien, Mexiko oder Griechenland, aber auch in Nord- und Mitteleuropa.
✓ In manchen Ländern das ganze Jahr über anbaubar
✓ Widerstandsfähig und ideal für kalte Klimazonen
✓ Wenig Pflege nötig
✓ Geeignet für Garten, Terrasse und Balkon
✓ Perfekt für diskrete, unauffällige Pflanzen
✓ Alle 30 Tage neue Pflanzen möglich
Welche Topfgröße ist für Automatik-Pflanzen am besten?
Die richtige Topfgröße hat großen Einfluss auf den Ertrag. Viele Grower erhalten winzige Pflanzen, weil Autos eine kräftige Wurzelmasse in der Vegetationsphase brauchen.
Profi-Tipp
30-Liter-Töpfe sind optimal für Autos, die etwa 80 bis 100 cm groß werden sollen. Große Wurzeln bedeuten meist größere Pflanzen.
✓ Autos brauchen viel Substrat für starke Wurzeln
✓ Je größer die Wurzelmasse, desto größer die Pflanze
✓ Topfgrößen unter 30 Litern erhöhen das Risiko für kleinere Pflanzen
✓ Indica-dominante Autos brauchen besonders viel Platz
Wann sollten Automatik-Pflanzen umgetopft werden?
Photoperioden können problemlos alle 3 bis 4 Wochen umgetopft werden. Autos hingegen reagieren empfindlicher auf Stress. Umtopfen kann sie massiv im Wachstum hemmen.
Wichtig
Samen am besten direkt in den endgültigen 30 bis 50 Liter Topf pflanzen. So bleiben die Wurzeln ungestört und die Pflanze kann sich kräftig entwickeln.
Welche Nährstoffe brauchen Automatik-Pflanzen?
Phase
Empfehlung
Erste 6 Wochen
Vegetationsdünger, NPK etwa 5-3-3
Nächste 6 Wochen
Blütendünger, NPK etwa 3-8-8
Zusätzlich
Top-Dressing mit Wurmhumus und Kompost, etwa 2 bis 3 cm alle 3 Wochen
Autos sind robust, aber empfindlich gegenüber Überdüngung. Zu viele Nährstoffe können geringere Erträge verursachen.
Kann man Automatik-Pflanzen klonen?
Kurz gesagt: Nein. Zwar können Stecklinge Wurzeln bilden, aber sie beginnen nach 4 Wochen automatisch zu blühen. Das ist viel zu früh. Deshalb ist das Klonen von Autos in der Praxis nicht sinnvoll.
Der optimale Lichtzyklus für Indoor-Automatik-Pflanzen
Lichtzyklus
Eigenschaften
18/6
Große Pflanzen, viel Wurzel- und Blattwachstum, geringste Stromkosten
20/4
Häufig höhere Erträge, aber höhere Stromkosten und schwerer zu kontrollierende Klimawerte
24/0
Kompakte, buschige Pflanzen, hohe Stromkosten, nicht ideal für Anfänger
12/12
Möglich, wenn Autos mit Photoperioden zusammenblühen, aber meist weniger ertragreich
PPFD, Temperatur und Luftfeuchtigkeit
PPFD
Ideal sind etwa 600 bis 900 μmol/m²/s.
Temperatur
Konstante 24 °C gelten als guter Richtwert.
Luftfeuchtigkeit
Etwa 50 % relative Luftfeuchtigkeit sind empfehlenswert.
Zu hohe Feuchtigkeit erhöht die Schimmelgefahr. Zu trockene Luft kann das Wachstum verlangsamen.
Autoflower trainieren
Pflanzentraining kann helfen, den Ertrag zu erhöhen. Autos wachsen etwa 4 Wochen, strecken sich danach und bilden Blüten. Die beste Methode ist Low-Stress Training.
Empfohlen
✓ LST während der ersten 4 bis 5 Wochen
✓ Triebe vorsichtig herunterbinden
✓ Lichtverteilung und Seitentriebe fördern
Vermeiden
✕ Topping
✕ Fimming
✕ Super Cropping
Profi-Tipps für Automatik-Pflanzen
1. Direkt in große Töpfe
30-Liter-Topf mit luftiger, organischer Erde verwenden.
2. Wurzeln schonen
Wenn klein gestartet wird, den Boden des kleinen Topfes entfernen und in einen größeren Topf setzen.
3. LST nutzen
Triebe mit Gartendraht herunterbinden für buschigere Pflanzen und bessere Belüftung.
4. Indoor 20/4 testen
Dieser Lichtzyklus kann hohe Erträge ermöglichen, wenn Klima und PPFD stimmen.
5. Outdoor mehrere Ernten
Von April bis Oktober sind mehrere Durchläufe möglich.
6. Stofftöpfe verwenden
Stofftöpfe fördern Wurzelpruning und eine kräftige Wurzelmasse.
Im Januar 2026 hat das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) seinen Bericht zur Pestizidbelastung in Lebensmitteln für das Jahr 2024 veröffentlicht. Die Zahlen sind eindeutig: 54,1 % der konventionell erzeugten Obst- und Gemüseproben enthielten quantifizierbare Pestizidrückstände, bei Bio-Ware lag dieser Anteil bei nur 19,9 %. Noch deutlicher: 80 % der untersuchten Gemüseproben wiesen Mehrfachrückstände auf, also Spuren von zwei oder mehr verschiedenen Pestiziden gleichzeitig.
Auch die ZDF-Dokumentation „plan b – Ohne Pestizide” erinnerte zuletzt daran, dass weltweit jährlich vier Millionen Tonnen Pestizide versprüht werden, deren Rückstände unweigerlich auf unseren Tellern landen.
Vor diesem Hintergrund stellt sich für viele Verbraucherinnen und Verbraucher eine ganz einfache Frage: Hilft das Waschen von Obst und Gemüse wirklich gegen Pestizide?
Wenn Sie Ihre Äpfel unter den Wasserhahn halten, Tomaten abreiben oder Erdbeeren in Natronlauge einweichen, weil Sie glauben, dadurch gesünder zu essen, nehmen Sie sich zwei Minuten Zeit. Die Antwort ist wichtiger, als sie scheint.
Die kurze Antwort: Nein, nicht wirklich.
Um zu verstehen, warum, muss man zwei grundverschiedene Arten von Pestiziden unterscheiden.
Kontaktpestizide bleiben auf der Oberfläche der Frucht oder des Gemüses. Sie wirken dort, wo sie aufgesprüht wurden. Für diese gilt: Ja, gründliches Abwaschen, Abreiben oder das Einweichen in Natronlauge entfernt einen Teil der Rückstände.
Systemische Pestizide hingegen sind so konzipiert, dass sie von der Pflanze selbst aufgenommen werden. Sie zirkulieren im Pflanzensaft und verteilen sich in Blättern, Stängeln und Früchten. Wie ein aktueller Artikel auf Basis einer Studie der University of Massachusetts Amherst klarstellt: Diese Wirkstoffe werden von der Pflanze aufgenommen und im gesamten Gewebe verteilt, gegen diese innere Kontamination ist kein äußeres Waschen wirksam.
Und genau hier liegt das Problem: Ein Großteil der heute verwendeten Pflanzenschutzmittel ist systemisch. Dazu gehören die Neonicotinoide (Insektizide, in der EU seit 2018 für den Freilandeinsatz weitgehend verboten, aber unter Ausnahmegenehmigungen weiterhin im Einsatz) und Herbizide auf Glyphosat-Basis.
Wasser, Natron, Essig: Was bringt das tatsächlich?
In Blogs und Netzwerken sind “Omas Tipps” zur Entgiftung von Obst und Gemüse in aller Munde. Was In Blogs und Ratgebern kursieren zahllose Hausmittel zur „Entgiftung” von Obst und Gemüse. Was sagt die Wissenschaft?
Lauwarmes Wasser: Stiftung Warentest empfiehlt es zur Reduktion oberflächlicher Rückstände. An der Frucht selbst haftende Pestizide lassen sich so zumindest reduzieren, Pestizide im Inneren der Frucht wird man mit Waschen jedoch nicht los. Wirkung also nur auf Kontaktpestizide.
Natronlösung (Backpulver/Natron): Eine Studie der University of Massachusetts Amherst zeigte, dass eine 1 %ige Natronlösung mit 15 Minuten Einweichzeit Pestizidrückstände auf der Apfelschale deutlich wirksamer entfernt als reines Wasser. Aber auch hier gilt: nur an der Oberfläche.
Essig: vergleichbar mit Wasser, kein Wundermittel.
Schälen: die radikalste Lösung für Kontaktpestizide. Allerdings gehen mit der Schale viele Ballaststoffe, Antioxidantien und Vitamine verloren.
Der gemeinsame Nenner all dieser Methoden: Sie erreichen niemals das Innere der Frucht. Was die Pflanze einmal aufgenommen hat, bleibt drin, und landet auf dem Teller.
Die unbequemen Zahlen
Greenpeace Deutschland fasst es nüchtern zusammen: Etwa 80 % des hierzulande verkauften Obstes und 50 % des Gemüses aus konventionellem Anbau enthalten Pestizidrückstände. Der BVL-Bericht 2024 zeigt zudem, dass die durchschnittliche Pestizidbelastung von frischem Gemüse gegenüber den Vorjahren leicht gestiegen ist, im Mittel 5 Wirkstoffe pro Probe bei Wurzelgemüse.
Bio? Eine echte Verbesserung, Bio-Ware ist im Schnitt um ein Vielfaches weniger belastet. Aber nicht völlig frei: Böden sind über Jahrzehnte kontaminiert, Bewässerungswasser kann Rückstände tragen, und durch Abdrift aus Nachbarfeldern gelangen Spuren selbst auf Bio-Flächen.
Myfood Aquaponik-Gewächshaus – Obst- und Gemüseproduktion in kontrollierter Umgebung, ohne Pestizide oder chemische Behandlung
Was man konkret tun kann
Keine Panik. Obst und Gemüse zu essen bleibt wichtig, die gesundheitlichen Vorteile überwiegen das Risiko durch Rückstände bei Weitem. Aber man kann die Belastung intelligent reduzieren:
Saisonal und regional einkaufen. Importware aus Drittländern weist deutlich häufiger Höchstmengenüberschreitungen auf.
Bei stark belasteten Sorten gezielt zu Bio greifen. Dazu gehören laut BVL u. a. Beeren, Trauben, Zitrusfrüchte, Grünkohl, Bohnen mit Hülsen.
Vielfalt im Einkaufskorb. Wer abwechslungsreich isst, akkumuliert weniger desselben Wirkstoffs.
Natron-Bad + Bürste für Schalen, die mitgegessen werden (Äpfel, Birnen, Gurken).
Selbst anbauen.
Die einzige zu 100 % zuverlässige Rückverfolgbarkeit: das eigene Erntegut
Wenn man weder dem Abwaschen vertrauen kann, noch dem Boden oder dem Wasser eines fremden Erzeugers, dann beginnt echte Rückverfolgbarkeit im eigenen Garten. Selbst anzubauen, in einer kontrollierten Umgebung, ist die einzige Garantie, genau zu wissen, was den eigenen Salat, die Tomaten und Erdbeeren berührt, oder eben nicht berührt.
Genau das ist der Grundgedanke der aquaponischen Gewächshäuser von Myfood: null Pestizide, null chemische Behandlung, gefiltertes Wasser, ein inertes Wurzelsubstrat. Sie ernten ausschließlich das, was Sie gesät haben. Keine Rückstände, kein Zweifel, kein Natron-Bad nötig.
Gelb leuchtend prägt er unsere Wiesen: der Löwenzahn. Während die einen im Löwenzahn ein lästiges Unkraut sehen, entdecken Forschende in ihm eine nachhaltige Quelle für die Industrie. Dank moderner Genom-Editierung könnte die bescheidene Pflanze bald Gummi für Kondome, Handschuhe und Reifen liefern – direkt vor unserer Haustür.
Ganz anders sieht es für Insekten aus. Für Bienen und Hummeln ist der Löwenzahn ein Segen. Dank seiner reichlichen Pollen und der langen Blütezeit dient er als eine der wichtigsten frühen Nahrungsquellen im Jahr.
Die Wurzel als Gummi-Lieferant
Hinter der gelben Blüte verbirgt sich jedoch noch ein ganz anderes Potenzial: Der weisse Milchsaft in den Wurzeln ist mit begehrtem «Naturgummi» ausgestattet. Seit über 100 Jahren versuchen Forschende, diesen Schatz nutzbar zu machen. Bisher stammte fast der gesamte weltweite Naturkautschuk vom Kautschukbaum (Hevea brasiliensis), der im Amazonas- und Guianas-Becken (Brasilien) beheimatet ist. Heute erfolgt der Anbau hauptsächlich in Südostasien (Malaysia, Thailand, Indonesien), wo der Saft durch Anritzen der Rinde gewonnen wird.
Die Abhängigkeit von diesen fernen Quellen ist riskant: Klimawandel und Krankheiten bedrohen die tropischen Plantagen. Hier kommt der Löwenzahn ins Spiel. Wenn wir den «Alternativ»-Kautschuk lokal gewinnen, erhöhen wir die Versorgungssicherheit und verbessern die Nachhaltigkeit – ein klassischer Fall von «Near Shoring», also der Produktion in der Nähe des Absatzmarktes.
Im Gegensatz zur klassischen Gentechnik werden bei dieser Anwendung der Genomeditierung keine artfremden Gene eingefügt. Man beschleunigt lediglich innerhalb des eigenen Genoms den natürlichen Züchtungsprozess. Das ermöglicht es, Löwenzahn effizient in Gewächshäusern anzubauen – vielleicht sogar auf Industriebrachen, ohne wertvolles Ackerland zu beanspruchen.
Das Jordanvirus breitet sich weltweit rasch aus, ist schwer zu bekämpfen und führt zu Ausfällen in der Tomatenproduktion.
In der Genom-Editierung steckt das Potential, schnell und effizient Resistenzen in eine Vielzahl von Tomatensorten einzubringen.
Durch die Kombination verschiedener Resistenzmechanismen würde das Durchbrechen der Resistenz deutlich erschwert.
Herausforderungen Das Tomato brown rugose fruit virus (ToBRFV), auch Jordanvirus genannt, gehört zur Gattung der Tobamoviren und wurde erstmals 2014 in Israel beschrieben. Seither hat es sich schnell stark ausgebreitet und befällt weltweit Tomatenpflanzen. Auch in Europa werden seit 2018 immer wieder Befälle gemeldet, darunter auch ein Fall in der Schweiz (Ref).Die Blätter infizierter Pflanzen wachsen weniger stark und verfärben sich mosaikartig. Mit der Zeit fängt die Pflanze an zu welken und stirbt ab. Die Tomaten zeigen gelbe Flecken und bleiben orange und damit unverkäuflich. Tobamoviren sind besonders gefährlich, weil sie schon in kleinsten Mengen infektiös, sehr langlebig und hitzestabil sind. Deshalb kann das Jordanvirus leicht durch kontaminierte Samen über lange Strecken transportiert und im Gewächshaus durch Hände oder Werkzeuge verteilt werden (Ref).
Aktuelle Strategie Das Jordanvirus gilt in der Schweiz und der EU als «potentieller Quarantäneorganismus»(Ref) und ist somit melde- und bekämpfungspflichtig. Tomatenkulturen lassen sich bisher nur mittels aufwendiger Hygienemassnahmen schützen. In Verdachtsfällen gilt es, den Bereich abzusperren und die verdächtigen Pflanzen zu testen. Da bereits befallene Pflanzen nicht behandelt werden können, muss der ganze Pflanzenbestand entfernt und verbrannt werden. Betroffene Gewächshäuser müssen anschliessend aufwendig desinfiziert werden. Erste gegen das Jordanvirus resistente Sorten sind erhältlich und werden in der Schweiz versuchsweise angebaut (Ref).
Potential der neuen Züchtungsverfahren Das Jordanvirus ist nahe verwandt mit dem Tomaten-Mosaikvirus, das lange die grösste Bedrohung für den Tomatenanbau darstellte. In den 1950er- und -60er-Jahren wurden jedoch zwei Resistenzgene gegen das Mosaikvirus entdeckt und in einzelne Elitesorten eingekreuzt. Die Fokussierung der Tomatenzucht auf diese Resistenzgene hat zwar das Mosaikvirus 50 Jahre lang in Schach gehalten, gleichzeitig aber auch zu einer Verarmung der genetischen Vielfalt bei den angebauten Tomaten geführt (Ref). Das Jordanvirus hat nun diese Resistenz überwunden und kann sich in den heutigen Tomatenkulturen schnell verbreiten. Mittels Genom-Editierung könnten zusätzliche Resistenzmechanismen sowohl in verschiedene Elitesorten als auch in alte Sorten eingebracht werden. So liesse sich die Widerstandskraft einer Vielfalt von Tomatensorten gegen das Jordanvirus relativ rasch erhöhen. Eine grössere genetische Vielfalt der angebauten Tomaten und die gleichzeitige Kombination mehrerer Resistenzmechanismen würden das Risiko verringern, dass die Resistenzen der Tomaten erneut überwunden werden und neue Virenarten entstehen.
Entwicklungsstand Es ist schon lange bekannt, dass Tobamoviren in der Modellpflanze Arabidopsis thaliana zwei bestimmte Gene (TOM1 und TOM3) für ihre Vermehrung benötigen. TOM1 kommt in Tomaten in fünf Varianten vor (TOM1a-e). Einer Forschungsgruppe ist es gelungen, mit CRISPR/Cas9 in Pflanzen der kommerziellen Tomatensorte ‘Craigella’ die vier relevanten Versionen (a-d) des Gens auszuschalten. Das CRISPR/Cas9-System wurde anschliessend ausgekreuzt, so dass es nicht mehr im Genom vorhanden ist. Unter Versuchsbedingungen erwies sich dieser Ansatz als sehr erfolgreich: Einige Tage nach dem Einbringen des Jordanvirus konnten in den Genom-editierten Tomatenpflanzen keine Viruspartikel nachgewiesen werden, während die nicht-editierten Pflanzen stark vom Virus befallen waren.
Eine andere Forschungsgruppe hat mit derselben Methode sowohl TOM1a als auch TOM3 ausgeschaltet. Diese Tomatenpflanzen waren ebenfalls deutlich resistenter gegen das Jordanvirus als nicht-editierte Pflanzen. Die Resultate hingen allerdings stark von der verwendeten Sorte ab.
Ausblick Das Beispiel zeigt, dass mit der Genom-Editierung in bestehenden Tomatensorten mehrere Gene gleichzeitig ausgeschaltet und somit rasch Resistenzen gegen neu aufkommende Krankheitserreger verbessert werden können. In Sorten, die bereits tolerant oder resistent gegenüber dem Jordanvirus sind, könnte das zusätzliche Ausschalten von TOM1/TOM3 zu einer starken und lange anhaltenden Resistenz beitragen, da das Virus mehrere Resistenzmechanismen überwinden müsste.
Allerdings scheint das Ausschalten von TOM1/TOM3 nicht in allen Sorten dieselbe Auswirkung zu haben. Der Ansatz wird sich deshalb für verschiedene Sorten und unter Produktionsbedingungen bewähren müssen. Falls dies gelingt, könnten dank seiner Hilfe künftig eine Vielfalt von virusresistenten Tomatensorten zur Verfügung stehen.
Konsumenten von medizinischem Cannabis in den USA geht es besser, wenn der Zugang dazu liberal geregelt ist. Diese Erkenntnis der Glücksforschung des Basler Ökonomen Alois Stutzer könnte auch für die Schweiz wichtig werden.
(Bild: Photolona/Shutterstock)
Raucher wissen: In den letzten Jahren wurde der Tabakkonsum immer stärker reguliert. In Büros, Restaurants und vermehrt auch an öffentlichen Orten wie Bahnhöfen darf nicht mehr geraucht werden. Die Tabakwerbung wurde fast vollständig verboten und die Altersgrenze für den Tabakkauf angehoben. Der Staat versucht so, seine Bürger vor den negativen Folgen des Rauchens zu schützen. Denn oft ist es für diese schwierig, ihre langfristigen Pläne für einen gesunden Lebenswandel umzusetzen. Es kann dann für alle vorteilhaft sein, wenn der Staat regulierend eingreift und zum Beispiel die Prohibition von Tabak verschärft. Gleichzeitig lockern auf der andern Seite immer mehr Behörden die Cannabisgesetze.
Allein in den USA haben fast zwei Drittel der Bundesstaaten den Zugang zu Cannabis erleichtert und Konsumenten für medizinischen Gebrauch sind vor strafrechtlicher Verfolgung geschützt. In neun Bundesstaaten ist der Cannabiskonsum sogar ganz legalisiert. Auch in der Schweiz haben National- und Ständerat diesen Sommer den «Experimentierartikel » verabschiedet. Das überarbeitete Bundesgesetz zur Hanfregulierung soll wissenschaftliche Untersuchungen über die Auswirkungen des medizinisch bedingten Cannabiskonsums ermöglichen.
Wohlbefinden und Wohlfahrt
Wichtigste Kennzahl von Analysen zu diesem Thema ist in der Regel der Konsum. Auch für die WHO ist er der zentrale Indikator für die Folgen der zunehmenden Liberalisierung. Geht der Konsum zurück, war die Änderung top, steigt er, war sie ein Flop. «Mit dieser Antwort waren wir nicht zufrieden», sagt Prof. Dr. Alois Stutzer, Professor für Politische Ökonomie an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Basel und Leiter des Center for Research in Economics and Well-Being. Ihn interessieren die Auswirkungen veränderter Rahmenbedingungen auf das persönliche Wohlbefinden und damit auch auf die allgemeine Wohlfahrt. «Die Konsumzahlen eignen sich dafür nicht. Denn nur weil der Mensch mehr von etwas konsumiert, geht es ihm nicht besser, und schon gar nicht, wenn er harte Drogen nimmt», erklärt Stutzer. «Eine Politik, die das Rauchen reduziert, ist nicht per se eine erfolgreiche Politik, wenn Leute aus Genuss rauchen.»
Die Glücksforschung – und im Speziellen die Glücksökonomie – liefere auf diese Frage die brauchbaren Antworten, so der Professor. Diese relativ junge Disziplin kombiniert wirtschaftswissenschaftliche Konzepte und Theorien mit Erkenntnissen aus Soziologie, Psychologie und Medizin. Nicht allein das Wachstum von BIP und Produktivität sind für die Glücksökonomie Zeichen von Wohlfahrt, sondern auch eine geäusserte hohe Lebenszufriedenheit und ein hohes persönliches Wohlbefinden.
Es gibt einen klaren Zusammenhang zwischen Liberalisierung und mentalem Wohlbefinden.
Alois Stutzer
Liberalisierung wirkt positiv
Stutzer möchte in einem empirischen Forschungsprojekt mit Jörg Kalbfuss und Reto Odermatt herausfinden, wie sich in den USA die Legalisierung von medizinischem Marihuana auf die Netto-Lebenszufriedenheit der Menschen auswirkt. Noch ist nichts veröffentlicht, doch die ersten Ergebnisse seien vielversprechend, sagt der Ökonom. Umfangreiche Berechnungen und Gegentests zeigen: «Es gibt einen klaren Zusammenhang zwischen Liberalisierung und mentalem Wohlbefinden.»
Insgesamt 31 US-Bundesstaaten haben in den letzten 15 Jahren die Cannabis-Gesetze gelockert. Das gibt eine nahezu perfekte Übungsanlage für eine empirische Untersuchung: Lockert ein Staat seine Gesetze und ein anderer nicht, bleiben die ökonomischen, sozialen und politischen Rahmenbedingungen zwischen den Staaten trotzdem vergleichbar. Kommt es nach der Gesetzesänderung zu Abweichungen, lassen sich diese mit grosser Wahrscheinlichkeit mit der gelockerten Prohibition begründen. In einem zentralistischer organisierten Land als den USA lassen sich dagegen solche Effekte nur schwer isolieren.
Grundlage der Untersuchung sind Daten aus zwei regelmässigen Befragungen der US-Bevölkerung. Die eine liefert Informationen über Verhaltensrisiken zum Beispiel punkto Autofahren, Sport oder Fettleibigkeit. Stutzer und seine Kollegen interessieren sich vor allem für die mentale Gesundheit – etwa dafür, an wie vielen Tagen die Befragten negative Gefühle wie Stress oder Depressionen hatten. Solche Kennzahlen gelten als Indikator für das subjektive Wohlbefinden. Die andere Datenbank ist die nationale Umfrage zu Drogenkonsum und Gesundheit, welche die Informationen über die individuellen Gründe für den Cannabiskonsum liefert.
«Kein Freipass für Legalisierung»
Stutzers Studien zeigen: Menschen, die aus medizinischen Gründen Marihuana konsumieren, geht es besser in Staaten mit lockeren Bestimmungen. Sie können jetzt an bestimmten Verkaufsstellen legal und ohne Stress Cannabisprodukte kaufen oder selber legal einige Pflanzen anbauen. Auch Menschen, die in ihrer Freizeit kiffen, geht es nicht schlechter als vor der Liberalisierung. «Doch diese Ergebnisse sind kein Freipass für die vollständige Legalisierung von Cannabis», relativiert Stutzer. «Das wäre eine Übertragung unserer Resultate, die wir nicht für angemessen erachten.» Schliesslich seien viele in seinen Augen wichtige Fragen in diesem Zusammenhang noch nicht beantwortet – so etwa zum Umgang mit hoch potenten Cannabisprodukten, zur Zulassung von Werbung oder zur Altersbeschränkung für Kinder und Jugendliche.
Die Schweiz bietet beste Rahmenbedingungen, um in einem Reallabor die Auswirkungen eines liberaleren Umgangs mit Cannabis zu testen.
Bei ihren Untersuchungen stiessen Stutzer und sein Team auf ein interessantes Nebenergebnis. Angesichts der grassierenden Opiatkrise verschärfen die USA derzeit den Zugang zu diesen Medikamenten. Die Patienten und Patientinnen suchen daher nach Ersatz und konsumieren stattdessen vermehrt Alkohol und harte Drogen – mit enormen Folgekosten. Das lässt sich jedoch einfach vermeiden. Wie Stutzer erläutert, sind die Auswirkungen eines verschärften Zugangs zu rezeptpflichtigen Medikamenten weit positiver, wenn gleichzeitig der Zugang zu Cannabisprodukten erleichtert wird.
Auch für die Schweiz, die wie die USA stark föderalistisch organisiert ist, sind Stutzers Untersuchungen relevant. Der Basler Ökonom unterstützt denn auch den «Experimentierartikel», der erste wissenschaftlich begleitete Versuche auch in der Schweiz ermöglichen würde. «Der Föderalismus ist hier sehr hilfreich», meint Stutzer. «Die Schweiz bietet beste Rahmenbedingungen, um in einem Reallabor die Auswirkungen eines liberaleren Umgangs mit Cannabis zu testen.» Doch bis er auch hierzulande ähnliche Untersuchungen wie in den USA anstellen kann, dauert es wohl noch etwas länger.
Einem tschechisch-deutschen Forschungsteam unter der Leitung von Dr. André Marques vom Max-Planck-Institut für Pflanzenzüchtungsforschung in Köln, Prof. Dr. Christiane Ritz vom Senckenberg Museum für Naturkunde in Görlitz und Dr. Aleš Kovařík vom Institut für Biophysik der Tschechischen Akademie der Wissenschaften ist ein bedeutender Durchbruch in der Erforschung der Fortpflanzung von Hundsrosen gelungen. Die Studie, die jetzt im renommierten Fachjournal „Nature“ veröffentlicht wurde, zeigt, wie Unterschiede in der Größe der Zentromere – der zentralen Andockstellen für Chromosomen – eine entscheidende Rolle bei der außergewöhnlichen Chromosomenvererbung dieser Pflanzen spielen. Die Ergebnisse könnten langfristig neue Wege für die Entwicklung robusterer Nutzpflanzen eröffnen.
Das Geheimnis der Hundsrose
Die Hundsrose (Rosa canina) ist die mit Abstand häufigste Wildrose in Mitteleuropa. Ihre als „Hagebutten“ bezeichneten Früchte werden vielfältig verwendet – von der Früchteteemischung bis zur „Juckpulver“-Herstellung. „Die Pflanze ist aber nicht nur hübsch anzusehen und für allerlei Zwecke verwendbar, sondern hat auch eine besondere Form der Fortpflanzung entwickelt“, erklärt Prof. Dr. Christiane Ritz vom Senckenberg Museum für Naturkunde in Görlitz und fährt fort: „Während die meisten Pflanzen und Tiere jeweils zwei Chromosomensätze besitzen, haben Hundsrosen gleich fünf. Das macht ihre Fortpflanzung komplizierter. Eine ungerade Anzahl an Chromosomensätzen führt bei vielen Pflanzen sogar oft zu Unfruchtbarkeit, weil sich die Chromosomen während der Meiose – der Bildung von Ei- und Samenzellen – nicht gleichmäßig paaren und verteilen lassen.“
Doch die Hundsrosen haben im Laufe ihrer Evolution eine raffinierte Lösung entwickelt, die ihnen dennoch eine stabile sexuelle Fortpflanzung ermöglicht. Bei der sogenannten Canina-Meiose oder balancierten Heterogamie paaren sich nur zwei der fünf Chromosomensätze der Pflanze ganz regulär und werden über Eizellen und Pollen weitergegeben. Die übrigen drei Sätze bleiben unpaarig, sogenannte Univalente, und werden ausschließlich über die Eizelle weitervererbt – ohne dass sie verändert werden. „Auf diese Weise kombiniert die Pflanze sexuelle mit klonaler Vermehrung“, erläutert Dr. André Marques vom Max-Planck-Institut für Pflanzenzüchtungsforschung in Köln und spricht weiter: „Obwohl dieses Fortpflanzungssystem schon seit über 100 Jahren bekannt ist, wusste man bisher wenig über die Mechanismen dieser Methode. Unklar war auch die Rolle der Zentromere – also der zentralen Chromosomenbereiche, die für die Verteilung während der Zellteilung wichtig sind. In unserer Studie haben wir Genome von pentaploiden Hundsrosen – Pflanzen mit fünf vollständigen Chromosomensätzen – in hoher Auflösung bis auf die Ebene einzelner Chromosomensätze und ihrer Herkunft untersucht.“
Die Macht der Zentromere
Ziel der Forschenden war es, herauszufinden, was es Hundsrosen ermöglicht, ihre unpaarigen Chromosomen gezielt in die Eizelle zu transportieren – ein Vorgang, der bisher nicht vollständig verstanden war. Die Antwort fanden die Wissenschaftler*innen im Aufbau der Zentromere, jenen DNA-Abschnitten, an denen die Spindelfasern während der Zellteilung ansetzen. Spindelfasern sind Teil eines Spindelapparats, der Chromosomen während der Mitose und Meiose bewegt, um eine gleichmäßige Chromosomenverteilung zwischen den Tochterzellen zu gewährleisten.
„Unsere Analyse der drei verschiedenen pentaploiden Hundsrosenarten zeigte: Die univalenten Chromosomen verfügen über auffällig große Zentromere mit vielfachen Wiederholungen einer rosen-spezifischen DNA-Sequenz. Diese größeren Zentromeren binden auch vermehrt das Protein CENH3, das eine Schlüsselrolle bei der Anbindung der Spindel spielt“, so Dr. Aleš Kovařík vom Institut für Biophysik der Tschechischen Akademie der Wissenschaften. Damit könnte die Zentromergröße ein entscheidender Faktor sein, um bei asymmetrischen Zellteilungen sicherzustellen, dass bestimmte Chromosomen erhalten bleiben. „Durch die Veränderung der Größe und Stärke ihrer Zentromere können diese Pflanzen buchstäblich beeinflussen, welche Chromosomen vererbt werden“, fügt Marques hinzu.
Warum es eine Rolle spielt
„Die gleichzeitige Koexistenz sexueller und klonaler Vermehrung im selben Genom – gesteuert durch Unterschiede in der Zentromerstruktur – ist ein faszinierender biologischer Mechanismus. Die Entdeckung liefert aber nicht nur neue Einblicke in die faszinierende Welt der Pflanzengenetik, sondern hat auch praktische Bedeutung für die Züchtung“, ergänzt Ritz. Viele Kulturpflanzen besitzen mehr als zwei Chromosomensätze. Das macht ihre Fortpflanzung anfällig für Fehler, kann aber auch Vorteile wie höhere Widerstandsfähigkeit mit sich bringen. Ein besseres Verständnis der Hundsrosen-Fortpflanzung könne helfen, diese Vorteile gezielt zu nutzen und die Fruchtbarkeit polyploider Pflanzenarten zu stabilisieren. Marques resümiert: „Unsere Erkenntnisse könnten langfristig neue Wege für die Entwicklung robusterer Nutzpflanzen eröffnen.“