{"id":164,"date":"2026-05-05T14:59:05","date_gmt":"2026-05-05T12:59:05","guid":{"rendered":"https:\/\/holos.ch\/blog\/?p=164"},"modified":"2026-05-05T14:59:05","modified_gmt":"2026-05-05T12:59:05","slug":"tomaten-mit-resistenz-gegen-das-jordanvirus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/holos.ch\/blog\/tomaten-mit-resistenz-gegen-das-jordanvirus\/","title":{"rendered":"Tomaten mit Resistenz gegen das Jordanvirus"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"512\" src=\"https:\/\/holos.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/image.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-165\" srcset=\"https:\/\/holos.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/image.png 768w, https:\/\/holos.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/image-300x200.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Das Wichtigste in K\u00fcrze<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Das Jordanvirus breitet sich weltweit rasch aus, ist schwer zu bek\u00e4mpfen und f\u00fchrt zu Ausf\u00e4llen in der Tomatenproduktion.<\/li>\n\n\n\n<li>In der Genom-Editierung steckt das Potential, schnell und effizient Resistenzen in eine Vielzahl von Tomatensorten einzubringen.<\/li>\n\n\n\n<li>Durch die Kombination verschiedener Resistenzmechanismen w\u00fcrde das Durchbrechen der Resistenz deutlich erschwert.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Herausforderungen<\/strong><br>Das Tomato brown rugose fruit virus (ToBRFV), auch Jordanvirus genannt, geh\u00f6rt zur Gattung der Tobamoviren und wurde erstmals 2014 in Israel beschrieben. Seither hat es sich schnell stark ausgebreitet und bef\u00e4llt weltweit Tomatenpflanzen. Auch in Europa werden seit 2018 immer wieder Bef\u00e4lle gemeldet, darunter auch ein Fall in der Schweiz (<a href=\"https:\/\/www.blw.admin.ch\/blw\/de\/home\/nachhaltige-produktion\/Pflanzengesundheit\/schaedlingeundkrankheiten\/quarantaeneorganismen\/tobrfv.html\" rel=\"noreferrer noopener\" target=\"_blank\">Ref<\/a>).<sup>&nbsp;<\/sup>Die Bl\u00e4tter infizierter Pflanzen wachsen weniger stark und verf\u00e4rben sich mosaikartig. Mit der Zeit f\u00e4ngt die Pflanze an zu welken und stirbt ab. Die Tomaten zeigen gelbe Flecken und bleiben orange und damit unverk\u00e4uflich. Tobamoviren sind besonders gef\u00e4hrlich, weil sie schon in kleinsten Mengen infekti\u00f6s, sehr langlebig und hitzestabil sind. Deshalb kann das Jordanvirus leicht durch kontaminierte Samen \u00fcber lange Strecken transportiert und im Gew\u00e4chshaus durch H\u00e4nde oder Werkzeuge verteilt werden (<a href=\"https:\/\/www.agroscope.admin.ch\/agroscope\/fr\/home\/themes\/production-vegetale\/protection-vegetaux\/service-phytosanitaire-agroscope\/publications\/_jcr_content\/par\/externalcontent.bitexternalcontent.exturl.html\/aHR0cHM6Ly9pcmEuYWdyb3Njb3BlLmNoL2RlLUNIL0FqYXgvUH\/VibGlrYXRpb24_ZWluemVscHVibGlrYXRpb25JZD00NjM1MSZw\/YXJlbnRVcmw9JTJGZnItQ0glMkZQdWJsaWthdGlvbnNsaXN0ZS\/UzRmd1aWQlM0RkMzAxZDljYi0xM2ZkLTQ4ZTctYTE0NC1mZmIx\/ZjJkOGY4YTE=.html\" rel=\"noreferrer noopener\" target=\"_blank\">Ref<\/a>).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Aktuelle Strategie<\/strong><br>Das Jordanvirus gilt in der Schweiz und der EU als \u00abpotentieller Quarant\u00e4neorganismus\u00bb(<a href=\"https:\/\/www.blw.admin.ch\/blw\/de\/home\/nachhaltige-produktion\/Pflanzengesundheit\/schaedlingeundkrankheiten\/quarantaeneorganismen\/tobrfv.html\" rel=\"noreferrer noopener\" target=\"_blank\">Ref<\/a>) und ist somit melde- und bek\u00e4mpfungspflichtig. Tomatenkulturen lassen sich bisher nur mittels aufwendiger Hygienemassnahmen sch\u00fctzen. In Verdachtsf\u00e4llen gilt es, den Bereich abzusperren und die verd\u00e4chtigen Pflanzen zu testen. Da bereits befallene Pflanzen nicht behandelt werden k\u00f6nnen, muss der ganze Pflanzenbestand entfernt und verbrannt werden. Betroffene Gew\u00e4chsh\u00e4user m\u00fcssen anschliessend aufwendig desinfiziert werden. Erste gegen das Jordanvirus resistente Sorten sind erh\u00e4ltlich und werden in der Schweiz versuchsweise angebaut (<a href=\"https:\/\/www.schweizerbauer.ch\/pflanzen\/die-angst-vor-dem-jordan-virus\/\" rel=\"noreferrer noopener\" target=\"_blank\">Ref<\/a>).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Potential der neuen Z\u00fcchtungsverfahren<\/strong><br>Das Jordanvirus ist nahe verwandt mit dem Tomaten-Mosaikvirus, das lange die gr\u00f6sste Bedrohung f\u00fcr den Tomatenanbau darstellte. In den 1950er- und -60er-Jahren wurden jedoch zwei Resistenzgene gegen das Mosaikvirus entdeckt und in einzelne Elitesorten eingekreuzt. Die Fokussierung der Tomatenzucht auf diese Resistenzgene hat zwar das Mosaikvirus 50 Jahre lang in Schach gehalten, gleichzeitig aber auch zu einer Verarmung der genetischen Vielfalt bei den angebauten Tomaten gef\u00fchrt (<a href=\"https:\/\/onlinelibrary.wiley.com\/doi\/full\/10.1111\/aab.12788\" rel=\"noreferrer noopener\" target=\"_blank\">Ref<\/a>). Das Jordanvirus hat nun diese Resistenz \u00fcberwunden und kann sich in den heutigen Tomatenkulturen schnell verbreiten. Mittels Genom-Editierung k\u00f6nnten zus\u00e4tzliche Resistenzmechanismen sowohl in verschiedene Elitesorten als auch in alte Sorten eingebracht werden. So liesse sich die Widerstandskraft einer Vielfalt von Tomatensorten gegen das Jordanvirus relativ rasch erh\u00f6hen. Eine gr\u00f6ssere genetische Vielfalt der angebauten Tomaten und die gleichzeitige Kombination mehrerer Resistenzmechanismen w\u00fcrden das Risiko verringern, dass die Resistenzen der Tomaten erneut \u00fcberwunden werden und neue Virenarten entstehen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Entwicklungsstand<\/strong><br>Es ist schon lange bekannt, dass Tobamoviren in der Modellpflanze\u00a0<em>Arabidopsis thaliana<\/em>\u00a0zwei bestimmte Gene (<em>TOM1<\/em>\u00a0und\u00a0<em>TOM3<\/em>) f\u00fcr ihre Vermehrung ben\u00f6tigen.\u00a0<em>TOM1<\/em>\u00a0kommt in Tomaten in f\u00fcnf Varianten vor (<em>TOM1a-e<\/em>). Einer Forschungsgruppe ist es gelungen, mit CRISPR\/Cas9 in Pflanzen der kommerziellen Tomatensorte \u2018Craigella\u2019 die vier relevanten Versionen (a-d) des Gens auszuschalten. Das CRISPR\/Cas9-System wurde anschliessend ausgekreuzt, so dass es nicht mehr im Genom vorhanden ist. Unter Versuchsbedingungen erwies sich dieser Ansatz als sehr erfolgreich: Einige Tage nach dem Einbringen des Jordanvirus konnten in den Genom-editierten Tomatenpflanzen keine Viruspartikel nachgewiesen werden, w\u00e4hrend die nicht-editierten Pflanzen stark vom Virus befallen waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine andere Forschungsgruppe hat mit derselben Methode sowohl\u00a0<em>TOM1a<\/em>\u00a0als auch\u00a0<em>TOM3<\/em>\u00a0ausgeschaltet. Diese Tomatenpflanzen waren ebenfalls deutlich resistenter gegen das Jordanvirus als nicht-editierte Pflanzen. Die Resultate hingen allerdings stark von der verwendeten Sorte ab.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ausblick<\/strong><br>Das Beispiel zeigt, dass mit der Genom-Editierung in bestehenden Tomatensorten mehrere Gene gleichzeitig ausgeschaltet und somit rasch Resistenzen gegen neu aufkommende Krankheitserreger verbessert werden k\u00f6nnen. In Sorten, die bereits tolerant oder resistent gegen\u00fcber dem Jordanvirus sind, k\u00f6nnte das zus\u00e4tzliche Ausschalten von\u00a0<em>TOM1\/TOM3<\/em>\u00a0zu einer starken und lange anhaltenden Resistenz beitragen, da das Virus mehrere Resistenzmechanismen \u00fcberwinden m\u00fcsste.<\/p>\n\n\n\n<p>Allerdings scheint das Ausschalten von&nbsp;<em>TOM1\/TOM3<\/em>&nbsp;nicht in allen Sorten dieselbe Auswirkung zu haben. Der Ansatz wird sich deshalb f\u00fcr verschiedene Sorten und unter Produktionsbedingungen bew\u00e4hren m\u00fcssen. Falls dies gelingt, k\u00f6nnten dank seiner Hilfe k\u00fcnftig eine Vielfalt von virusresistenten Tomatensorten zur Verf\u00fcgung stehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/naturwissenschaften.ch\/\">https:\/\/naturwissenschaften.ch\/<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Wichtigste in K\u00fcrze HerausforderungenDas Tomato brown rugose fruit virus (ToBRFV), auch Jordanvirus genannt, geh\u00f6rt zur Gattung der Tobamoviren und wurde erstmals 2014 in Israel beschrieben. Seither hat es sich schnell stark ausgebreitet und bef\u00e4llt weltweit Tomatenpflanzen. Auch in Europa werden seit 2018 immer wieder Bef\u00e4lle gemeldet, darunter auch ein Fall in der Schweiz (Ref).&nbsp;Die &hellip; <a href=\"https:\/\/holos.ch\/blog\/tomaten-mit-resistenz-gegen-das-jordanvirus\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eTomaten mit Resistenz gegen das Jordanvirus\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-164","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/holos.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/164","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/holos.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/holos.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/holos.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/holos.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=164"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/holos.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/164\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":166,"href":"https:\/\/holos.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/164\/revisions\/166"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/holos.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=164"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/holos.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=164"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/holos.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=164"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}