{"id":156,"date":"2026-04-16T13:28:58","date_gmt":"2026-04-16T11:28:58","guid":{"rendered":"https:\/\/holos.ch\/blog\/?p=156"},"modified":"2026-04-16T13:28:58","modified_gmt":"2026-04-16T11:28:58","slug":"wie-zentromere-eine-besondere-form-der-fortpflanzung-ermoeglichen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/holos.ch\/blog\/wie-zentromere-eine-besondere-form-der-fortpflanzung-ermoeglichen\/","title":{"rendered":"Wie Zentromere eine besondere Form der Fortpflanzung erm\u00f6glichen"},"content":{"rendered":"\n<p><a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/sharing\/share-offsite\/?url=https%3A%2F%2Fwww.mpipz.mpg.de%2Fpr-marques-2025-de\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/bsky.app\/intent\/compose?text=MPI+f%C3%BCr+Pflanzenz%C3%BCchtungsforschung+-+Vererbung+nach+eigenen+Regeln%3A+Die+scheinbar+unm%C3%B6gliche+Fortpflanzung+der+Hundsrosen+https%3A%2F%2Fwww.mpipz.mpg.de%2Fpr-marques-2025-de\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.mpipz.mpg.de\/pr-marques-2025-de\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Einem tschechisch-deutschen Forschungsteam unter der Leitung von Dr. Andr\u00e9 Marques vom Max-Planck-Institut f\u00fcr Pflanzenz\u00fcchtungsforschung in K\u00f6ln, Prof. Dr. Christiane Ritz vom Senckenberg Museum f\u00fcr Naturkunde in G\u00f6rlitz und Dr. Ale\u0161 Kova\u0159\u00edk vom Institut f\u00fcr Biophysik der Tschechischen Akademie der Wissenschaften ist ein bedeutender Durchbruch in der Erforschung der Fortpflanzung von Hundsrosen gelungen. Die Studie, die jetzt im renommierten Fachjournal \u201eNature\u201c ver\u00f6ffentlicht wurde, zeigt, wie Unterschiede in der Gr\u00f6\u00dfe der Zentromere \u2013 der zentralen Andockstellen f\u00fcr Chromosomen \u2013 eine entscheidende Rolle bei der au\u00dfergew\u00f6hnlichen Chromosomenvererbung dieser Pflanzen spielen. Die Ergebnisse k\u00f6nnten langfristig neue Wege f\u00fcr die Entwicklung robusterer Nutzpflanzen er\u00f6ffnen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das Geheimnis der Hundsrose<\/h2>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"766\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/holos.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/image-3-766x1024.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-157\" srcset=\"https:\/\/holos.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/image-3-766x1024.png 766w, https:\/\/holos.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/image-3-224x300.png 224w, https:\/\/holos.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/image-3-768x1027.png 768w, https:\/\/holos.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/image-3-1148x1536.png 1148w, https:\/\/holos.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/image-3-1531x2048.png 1531w, https:\/\/holos.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/image-3-1200x1605.png 1200w, https:\/\/holos.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/image-3-scaled.png 1914w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Hundsrose (<em>Rosa canina<\/em>) ist die mit Abstand h\u00e4ufigste Wildrose in Mitteleuropa. Ihre als \u201eHagebutten\u201c bezeichneten Fr\u00fcchte werden vielf\u00e4ltig verwendet \u2013 von der Fr\u00fcchteteemischung bis zur \u201eJuckpulver\u201c-Herstellung. \u201eDie Pflanze ist aber nicht nur h\u00fcbsch anzusehen und f\u00fcr allerlei Zwecke verwendbar, sondern hat auch eine besondere Form der Fortpflanzung entwickelt\u201c, erkl\u00e4rt Prof. Dr. Christiane Ritz vom Senckenberg Museum f\u00fcr Naturkunde in G\u00f6rlitz und f\u00e4hrt fort: \u201eW\u00e4hrend die meisten Pflanzen und Tiere jeweils zwei Chromosomens\u00e4tze besitzen, haben Hundsrosen gleich f\u00fcnf. Das macht ihre Fortpflanzung komplizierter. Eine ungerade Anzahl an Chromosomens\u00e4tzen f\u00fchrt bei vielen Pflanzen sogar oft zu Unfruchtbarkeit, weil sich die Chromosomen w\u00e4hrend der Meiose \u2013 der Bildung von Ei- und Samenzellen \u2013 nicht gleichm\u00e4\u00dfig paaren und verteilen lassen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Doch die Hundsrosen haben im Laufe ihrer Evolution eine raffinierte L\u00f6sung entwickelt, die ihnen dennoch eine stabile sexuelle Fortpflanzung erm\u00f6glicht. Bei der sogenannten Canina-Meiose oder balancierten Heterogamie paaren sich nur zwei der f\u00fcnf Chromosomens\u00e4tze der Pflanze ganz regul\u00e4r und werden \u00fcber Eizellen und Pollen weitergegeben. Die \u00fcbrigen drei S\u00e4tze bleiben unpaarig, sogenannte Univalente, und werden ausschlie\u00dflich \u00fcber die Eizelle weitervererbt \u2013 ohne dass sie ver\u00e4ndert werden. \u201eAuf diese Weise kombiniert die Pflanze sexuelle mit klonaler Vermehrung\u201c, erl\u00e4utert Dr. Andr\u00e9 Marques vom Max-Planck-Institut f\u00fcr Pflanzenz\u00fcchtungsforschung in K\u00f6ln und spricht weiter: \u201eObwohl dieses Fortpflanzungssystem schon seit \u00fcber 100 Jahren bekannt ist, wusste man bisher wenig \u00fcber die Mechanismen dieser Methode. Unklar war auch die Rolle der Zentromere \u2013 also der zentralen Chromosomenbereiche, die f\u00fcr die Verteilung w\u00e4hrend der Zellteilung wichtig sind. In unserer Studie haben wir Genome von pentaploiden Hundsrosen \u2013 Pflanzen mit f\u00fcnf vollst\u00e4ndigen Chromosomens\u00e4tzen \u2013 in hoher Aufl\u00f6sung bis auf die Ebene einzelner Chromosomens\u00e4tze und ihrer Herkunft untersucht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Macht der Zentromere<\/h2>\n\n\n\n<p>Ziel der Forschenden war es, herauszufinden, was es Hundsrosen erm\u00f6glicht, ihre unpaarigen Chromosomen gezielt in die Eizelle zu transportieren \u2013 ein Vorgang, der bisher nicht vollst\u00e4ndig verstanden war. Die Antwort fanden die Wissenschaftler*innen im Aufbau der Zentromere, jenen DNA-Abschnitten, an denen die Spindelfasern w\u00e4hrend der Zellteilung ansetzen. Spindelfasern sind Teil eines Spindelapparats, der Chromosomen w\u00e4hrend der Mitose und Meiose bewegt, um eine gleichm\u00e4\u00dfige Chromosomenverteilung zwischen den Tochterzellen zu gew\u00e4hrleisten.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eUnsere Analyse der drei verschiedenen pentaploiden Hundsrosenarten zeigte: Die univalenten Chromosomen verf\u00fcgen \u00fcber auff\u00e4llig gro\u00dfe Zentromere mit vielfachen Wiederholungen einer rosen-spezifischen DNA-Sequenz. Diese gr\u00f6\u00dferen Zentromeren binden auch vermehrt das Protein CENH3, das eine Schl\u00fcsselrolle bei der Anbindung der Spindel spielt\u201c, so Dr. Ale\u0161 Kova\u0159\u00edk vom Institut f\u00fcr Biophysik der Tschechischen Akademie der Wissenschaften. Damit k\u00f6nnte die Zentromergr\u00f6\u00dfe ein entscheidender Faktor sein, um bei asymmetrischen Zellteilungen sicherzustellen, dass bestimmte Chromosomen erhalten bleiben. \u201eDurch die Ver\u00e4nderung der Gr\u00f6\u00dfe und St\u00e4rke ihrer Zentromere k\u00f6nnen diese Pflanzen buchst\u00e4blich beeinflussen, welche Chromosomen vererbt werden&#8220;, f\u00fcgt Marques hinzu.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Warum es eine Rolle spielt<\/h2>\n\n\n\n<p>\u201eDie gleichzeitige Koexistenz sexueller und klonaler Vermehrung im selben Genom \u2013 gesteuert durch Unterschiede in der Zentromerstruktur \u2013 ist ein faszinierender biologischer Mechanismus. Die Entdeckung liefert aber nicht nur neue Einblicke in die faszinierende Welt der Pflanzengenetik, sondern hat auch praktische Bedeutung f\u00fcr die Z\u00fcchtung\u201c, erg\u00e4nzt Ritz. Viele Kulturpflanzen besitzen mehr als zwei Chromosomens\u00e4tze. Das macht ihre Fortpflanzung anf\u00e4llig f\u00fcr Fehler, kann aber auch Vorteile wie h\u00f6here Widerstandsf\u00e4higkeit mit sich bringen. Ein besseres Verst\u00e4ndnis der Hundsrosen-Fortpflanzung k\u00f6nne helfen, diese Vorteile gezielt zu nutzen und die Fruchtbarkeit polyploider Pflanzenarten zu stabilisieren. Marques res\u00fcmiert: \u201eUnsere Erkenntnisse k\u00f6nnten langfristig neue Wege f\u00fcr die Entwicklung robusterer Nutzpflanzen er\u00f6ffnen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.mpipz.mpg.de\/pr-marques-2025-de\">https:\/\/www.mpipz.mpg.de\/pr-marques-2025-de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einem tschechisch-deutschen Forschungsteam unter der Leitung von Dr. Andr\u00e9 Marques vom Max-Planck-Institut f\u00fcr Pflanzenz\u00fcchtungsforschung in K\u00f6ln, Prof. Dr. Christiane Ritz vom Senckenberg Museum f\u00fcr Naturkunde in G\u00f6rlitz und Dr. Ale\u0161 Kova\u0159\u00edk vom Institut f\u00fcr Biophysik der Tschechischen Akademie der Wissenschaften ist ein bedeutender Durchbruch in der Erforschung der Fortpflanzung von Hundsrosen gelungen. 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