{"id":130,"date":"2026-03-24T14:59:26","date_gmt":"2026-03-24T13:59:26","guid":{"rendered":"https:\/\/holos.ch\/blog\/?p=130"},"modified":"2026-03-24T14:59:26","modified_gmt":"2026-03-24T13:59:26","slug":"kleinbaeuerinnen-und-bauern-erzeugen-70-der-weltweiten-nahrungsmittel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/holos.ch\/blog\/kleinbaeuerinnen-und-bauern-erzeugen-70-der-weltweiten-nahrungsmittel\/","title":{"rendered":"\u00abKleinb\u00e4uerinnen und -bauern erzeugen 70 % der weltweiten Nahrungsmittel\u00bb"},"content":{"rendered":"\n<p>Es t\u00f6nt eindr\u00fccklich, wird seit Jahren verbreitet und 2026 einmal mehr auch durch die Fastenaktion behauptet: \u00abKleinbauern und -b\u00e4uerinnen bilden das R\u00fcckgrat der Nahrungsmittelproduktion\u00bb<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"279\" src=\"https:\/\/holos.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/image-5-1024x279.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-131\" srcset=\"https:\/\/holos.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/image-5-1024x279.png 1024w, https:\/\/holos.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/image-5-300x82.png 300w, https:\/\/holos.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/image-5-768x209.png 768w, https:\/\/holos.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/image-5-1536x418.png 1536w, https:\/\/holos.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/image-5-1200x326.png 1200w, https:\/\/holos.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/image-5.png 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Das Wichtigste in K\u00fcrze<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Die Aussage ist falsch. Hier werden Kleinbauern und Familienbetriebe verwechselt.<\/li>\n\n\n\n<li>Kleinb\u00e4uerliche Landwirtschaft ohne moderne Sorten und modernen Pflanzenschutz k\u00f6nnen die wachsende Menschheit nicht ern\u00e4hren.<\/li>\n\n\n\n<li>Low-input Anbaumethoden f\u00fchren zu einem R\u00fcckgang der Produktivit\u00e4t<\/li>\n\n\n\n<li>Tats\u00e4chlich muss die Produktivit\u00e4t gesteigert und zugleich die Fl\u00e4chennutzung verringert werden<\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/swiss-food.ch\/artikel\/zehn-mythen-zur-nahrungsmittelproduktion\">Mehr zu g\u00e4ngigen Mythen in der Nahrungsmittelproduktion lesen Sie hier.<\/a><\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Vielfach ist zu lesen, Kleinb\u00e4uerinnen und Kleinbauern erzeugen 70 Prozent der weltweiten Nahrungsmittel, aber nutzen daf\u00fcr nur 30 Prozent der Land- und Wasserressourcen.<\/p>\n\n\n\n<p>Kleinbauern sind definiert als Landwirte, die weniger als zwei Hektar Land bewirtschaften. Sie machen zwar etwa 84 Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebe weltweit aus, nutzen aber nur ca. 12 Prozent des Ackerlands und liefern&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.fao.org\/publications\/fao-flagship-publications\/the-state-of-food-security-and-nutrition-in-the-world\/en\">lt. FAO (2025)<\/a>&nbsp;nur ca. 16 Prozent der Nahrungsenergie, 12 Prozent der pflanzlichen Proteine und 9 Prozent der Fette weltweit. Sie werden oft mit Familienbetrieben verwechselt, aber Familienbetriebe sind oft Grossbetriebe.<\/p>\n\n\n\n<p>Hinzu kommt, dass kleinb\u00e4uerliche low-input-Landwirtschaft ohne D\u00fcnger, ohne moderne Sorten und andere Produktionssysteme (Bew\u00e4sserung, Pflanzenschutz) die wachsende Menschheit nicht ern\u00e4hren k\u00f6nnen.&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.oecd.org\/en\/publications\/oecd-fao-agricultural-outlook-2022-2031_f1b0b29c-en.html\">Die OECD gibt an, dass zur Erreichung des Ziels \u00abZero Hunger\u00bb bei gleichbleibenden landwirtschaftlichen Emissionen die durchschnittliche weltweite Ernteproduktivit\u00e4t in den n\u00e4chsten zehn Jahren um 24 % gesteigert werden m\u00fcsste.<\/a>&nbsp;Dies entspricht einer Verdopplung des Anstiegs, der im letzten Jahrzehnt verzeichnet wurde.&nbsp;<a href=\"https:\/\/research.wri.org\/sites\/default\/files\/2019-07\/WRR_Food_Full_Report_0.pdf\">Sollten die Ertr\u00e4ge nicht deutlich steigen, ben\u00f6tigen wir bis 2050 zus\u00e4tzliche landwirtschaftliche Fl\u00e4chen von fast 600 Millionen Hektar, was der doppelten Gr\u00f6sse Indiens entspricht.<\/a>&nbsp;Dies w\u00fcrde zu massiver Entwaldung und Biodiversit\u00e4tsverlusten f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Blindspot-Artikel<\/h4>\n\n\n\n<p>Eine umfassend nachhaltige Lebensmittelproduktion und eine gesunde Ern\u00e4hrung sind komplexe Themenfelder. Es braucht die Betrachtung aus verschiedenen Blickwinkeln. Doch unliebsame Fakten kommen in der \u00f6ffentlichen Diskussion h\u00e4ufig zu kurz. Wir beleuchten, was gerne im Schatten bleibt. So kommen die Zielkonflikte zur Sprache.<\/p>\n\n\n\n<p>Um Klima und Artenvielfalt zu erhalten, m\u00fcssen wir eher weniger Fl\u00e4che bewirtschaften, also auf weniger Fl\u00e4che deutlich mehr erzeugen als bisher. Die Ablehnung von hochproduktiver Landwirtschaft als \u00abindustrialisiertes Ernten\u00bb ist daher angesichts des zu erwartenden Bev\u00f6lkerungswachstums (8,2 Milliarden heute, 9,7 Milliarden 2050) realit\u00e4tsfern.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Rolle von Kleinbauern ist ambivalent. W\u00e4hrend sie heute noch in vielen Regionen entscheidend f\u00fcr die regionale Ern\u00e4hrungssicherheit sind (die sie nicht immer gew\u00e4hrleisten k\u00f6nnen), werden sie die notwendigen 24 Prozent Produktivit\u00e4tssteigerung kaum liefern k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>L\u00f6sungen sind nur m\u00f6glich, wenn in Regionen mit vorwiegend kleinb\u00e4uerlicher Landwirtschaft vier wichtige Elemente zur Verf\u00fcgung stehen: die Landwirte ben\u00f6tigen verbessertes Saatgut, das auf Hybridz\u00fcchtung und moderner Biotechnologie beruht.&nbsp;<a href=\"https:\/\/ageconsearch.umn.edu\/record\/93736\/files\/ifpridp00993.pdf\">Hochertragreiche Sorten waren in der Vergangenheit der wichtigste Treiber f\u00fcr h\u00f6here und stabile Ertr\u00e4ge<\/a>. Zweitens muss ihnen mehr D\u00fcnger zur Verf\u00fcgung stehen.&nbsp;<a href=\"https:\/\/blogs.worldbank.org\/en\/voices\/transformed-fertilizer-market-needed-response-food-crisis-africa\">In Afrika werden pro Hektar nur ungef\u00e4hr 20 kg Stickstoff eingesetzt, w\u00e4hrend der globale Durchschnitt 146 kg Stickstoff\/ha betr\u00e4gt<\/a>. Auch die Bew\u00e4sserung ist verbesserungsbed\u00fcrftig. Nur&nbsp;<a href=\"https:\/\/ageconsearch.umn.edu\/record\/93736\/files\/ifpridp00993.pdf\">6 Prozent der afrikanischen Landwirtschaft hat Bew\u00e4sserungssysteme<\/a>, ein Hauptgrund f\u00fcr niedrige Ertr\u00e4ge. Vierter und letzter Punkt ist bessere&nbsp;<a href=\"https:\/\/arxiv.org\/abs\/2006.13831\">Beratung und Digitalisierung<\/a>, denn dann stehen Empfehlungen f\u00fcr optimalen D\u00fcngereinsatz und zielgerichtete Sch\u00e4dlingsbek\u00e4mpfung, Wetterprognosen und Marktpreise zur Verf\u00fcgung \u2013 alles Elemente, die auch Kleinbauern bessere Planung und sichere Ernten erm\u00f6glichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und nicht zuletzt erlauben diese Elemente unterprivilegierten Kleinb\u00e4uerinnen und -bauern, dass sie ihr Land effizienter bestellen und so ihre Kinder zur Schule statt aufs Feld schicken k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Autor des Artikels:&nbsp;<\/strong>Ludger We\u00df, promovierter Biochemiker und Wissenschaftsjournalist. Als profunder Kenner der agrarwissenschaftlichen Forschung engagiert er sich f\u00fcr eine faktenbasierte Debatte \u00fcber neue Z\u00fcchtungstechnologien.<\/p>\n\n\n\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/swiss-food.ch\/\">https:\/\/swiss-food.ch\/<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es t\u00f6nt eindr\u00fccklich, wird seit Jahren verbreitet und 2026 einmal mehr auch durch die Fastenaktion behauptet: \u00abKleinbauern und -b\u00e4uerinnen bilden das R\u00fcckgrat der Nahrungsmittelproduktion\u00bb Das Wichtigste in K\u00fcrze Vielfach ist zu lesen, Kleinb\u00e4uerinnen und Kleinbauern erzeugen 70 Prozent der weltweiten Nahrungsmittel, aber nutzen daf\u00fcr nur 30 Prozent der Land- und Wasserressourcen. Kleinbauern sind definiert als &hellip; <a href=\"https:\/\/holos.ch\/blog\/kleinbaeuerinnen-und-bauern-erzeugen-70-der-weltweiten-nahrungsmittel\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201e\u00abKleinb\u00e4uerinnen und -bauern erzeugen 70 % der weltweiten Nahrungsmittel\u00bb\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-130","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/holos.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/130","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/holos.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/holos.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/holos.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/holos.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=130"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/holos.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/130\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":132,"href":"https:\/\/holos.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/130\/revisions\/132"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/holos.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=130"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/holos.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=130"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/holos.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=130"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}